Ist mein Vertriebsunternehmen ein Schneeballsystem?

Legal oder illegal: Ist "mein" Partyvertrieb ein verbotenes Schneeballsystem?

Was ein Schneeballsystem oder Pyramidensystem ist und worauf Du achten musst, erfährst Du in diesem Beitrag.

Schneeballsysteme sind illegal

In den USA wurde gerade ein Direktvertriebsunternehmen, die Vemma Nutrition Company (kurz Vemma), stillgelegt.

Vemma war ein Multi-Level-Marketing-Unternehmen, das 2004 gegründet wurde. Zu den Produkten des Unternehmens gehören Energy-Drinks und Nahrungsergänzungsmittel. In die Kritik geriet Vemma, da dem Unternehmen von verschiedenen Seiten vorgeworfen wurde, ein illegales Schneeballsystem zu betreiben. Daraufhin hat die FTA das System stillgelegt.

Auch in Deuschland und Europa gilt: Schneeballsysteme oder Pyramidensysteme sind nicht erlaubt. Aber was ist eine Schneeballsystem genau? Wie erkenne ich, ob vielleicht „mein“ MLM Vertrieb, in dem ich mich einschreiben will oder mit dem ich bereits arbeite illegal ist?

So definiert man ein Schneeballsystem:

Als Schneeballsystem oder Pyramidensystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigen, für die man „Kopfgeld“ bekommt. Das System funktioniert also wie ein Schneeball, der den Hang hinunter rollt und dabei immer dicker wird – daher der Begriff. Das Problem bei Schneeballsystemen ist, dass der Ball irgendwann unten ankommt – und dann meistens auseinanderfällt.

Was ist ein „gutes“ und damit legales Vertriebssystem?

Ein System ist kein Schneeballsystem (und damit legal), wenn es auch ohne neue Partner funktionieren würde. Nehmen wir mal das Beispiel Tupperware. Dort werden Partys abgehalten und auf den Partys auch Ausschau nach neuen Tupper-Beraterinnen gehalten. D.h. Tupperware hat ständig neue Vertriebspartner. Aber ist Tupperware deshalb ein Schneeballsystem? Klares Nein. Denn das Unternehmen könnte auch ohne neue Partner auskommen. Dann würden die Produkte weiter von den bestehenden Partnern verkauft, das Unternehmen würde sich über den Produktverkauf weiterhin finanzieren. Es würde wohl nicht mehr so sehr wachsen, aber die Geschäftsgrundlage ist der Verkauf der (hochwertigen) Produkte, nicht etwa das Einnehmen von „Startgeldern“… womit wir beim zweiten Kriterium für Schneeballsysteme wären.

Kriterium 2 für ein illegales Schneeballsystem: Einnahmen für die Vertriebspartner entstehen überwiegend oder ausschließlich dadurch, dass neue Teilnehmer wiederum Geld investieren, ohne werthaltige Dienstleistungen oder ein Produkte zu erhalten. Meist sind das „Schulungspakete“ oder „Einstiegspakete“, von deren Einnahmen ein Teil an das Unternehmen und ein Teil als Provision an den Werber geht.

So erkennst Du ein Schneeballsystem / Pyramidensystem

Das bedeutet also: Verlangt man von Dir, eine Einstiegsgebühr zu zahlen, ohne dass Du z.B. Waren von einem angemessenen Wert bekommst, die Du unter realistischen Marktbedingungen wieder verkaufen kannst (notfalls auf ebay oder amazon), dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt.

Etwas mehr bürokratisch ausgedrückt: Schneeballsysteme sind Spezialfälle von Systemen, welche auf unendliches Wachstum unter endlichen Rahmenbedingungen (Potenzial an neuen Partnern) angewiesen und daher grundsätzlich instabil sind (max. ein paar Jahre, danach brechen sie zusammen oder werden entdeckt).

 

Checkliste: Pyramidensystem oder nicht?

Wenn mehrere der nachfolgenden Kriterien erfüllt sind, solltest Du vorsichtig sein. Es handelt sich dann möglicherweise um ein illegales Pyramidensystem.

  • Muss ich eine Einstiegsgebühr bezahlen?
  • Erhalte ich oder mein Förderer/Sponsor eine Provision auf die Einstiegsgebühr?
  • Besteht die Pflicht, ein „Startpaket“ zu kaufen oder eine Einstiegsgebühr zu bezahlen?
  • Falls ein Einstiegspaket angeboten wird: Sind überwiegend „nutzlose“ Inhalte enthalten, wie beispielsweise „Schulungspakete“ oder „Marketing/Werbepakete“?

Ein „Einstiegspaket“ bedeutet nicht unbedingt Schneeballsystem

Die Tatsache, dass ein Einstiegspaket angeboten wird, bedeutet nicht unbedingt, dass es sich bei dem Anbieter um ein illegales Pyramidensystem handelt. Einstiegsgebühren bzw. Einstiegspakete können sogar helfen, leichter in den Vertrieb zu kommen. Auch Schulungen sind durchaus üblich. Die Grenze zum illegalen System wird dann überschritten, wenn die Provisionen oder sonstige Einkünfte überwiegend dadurch verdient werden, dass man neue Partner wirbt und das Einkommen aus deren Einstiegsgebühren generiert wird. Man produziert also nur neue Partner, sonst nichts. 

Wenn das System also Einkommen aus sich selbst heraus und nicht durch den Vertrieb realer und wertvoller Produkte erzeugt, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein illegales Schneeball oder Pyramidensystem.

In den meisten Ländern sind Systeme, die sich solch dubioser Methoden bedienen, mittlerweile verboten. Wer sich daran beteiligt, verliert nicht nur Freunde und sein eingesetztes Geld,  sondern riskiert auch strafrechtliche Konsequenzen.

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Was passiert, wenn ich Produkte über Amazon verkaufe (statt auf Partys)

Grundsätzlich gilt in Europa und in den marktwirtschaftlich orientierten Ländern der Welt ein Wettbewerbsrecht. Das bedeutet: Du kannst Deine Produkte verkaufen an wen Du willst, zu dem Preis, den Du bestimmst und über die Wege, die Du Dir aussuchst.

Niemand darf Dir Vorschriften machen, ob Du Produkte über eBay, Amazon, einen Shop, per Mail oder im Ladengeschäft verkaufen darfst oder nicht.

Allerdings steht demgegenüber das Geschäftsmodell eines Multi-Level-Marketing-Unternehmens. Ein solches Unternehmen hat ein großes Interesse daran, dass nur über Partys verkauft wird. Der Grund ist einleuchtend: Die Party bietet die Möglichkeit, neue Vertriebspartner zu gewinnen („rekrutieren“). Bei einem Verkauf über einen Shop, Amazon oder ebay  wird nur Ware abgesetzt, aber die Vertriebsstruktur wächst nicht weiter.

Wenn Du ernsthaft in einem MLM erfolgreich sein willst, ist es empfehlenswert, nicht über Amazon zu verkaufen. Du schadest Dir damit selbst, Deinen Mitstreitern und letztlich auch dem MLM Unternehmen.

Warum nutzen manche Vertriebspartner trotzdem Amazon?

Markenbekanntheit wird genutzt

Wenn ein solcher Vertrieb eine gewisse Größe und mit seinen Produkten eine hohe Markenbekanntheit erreicht hat, lassen sich die Produkte auch gut über Amazon verkaufen.

Der Grund dafür ist einfach: Die Kunden mögen die Produkte, aber die Kunden mögen nicht gerne Partys. Denn dort fühlen sie sich immer irgendwie verpflichtet, etwas zu kaufen. Außerdem besteht das Risiko, dass man angesprochen wird und sich wehren muss, entweder selbst eine Party zu veranstalten oder als Vertriebspartner / Berater einzusteigen.

Vielen ist das unangenehm, daher kaufen sie lieber eine bekannte und gute Marke über Amazon oder sonstwo im Internet.

Amazon als Feind der Direktvertriebe

Kein Wunder also, dass die Direktvertriebsunternehmen mit allen Mitteln versuchen, Dir den Verkauf über Amazon zu verbieten. Dafür stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Aussprechen eines Verbotes
    (das freilich nicht bindend sein kann, aber vielleicht trotzdem wirkt)
  • Einstellung der Belieferung
    Wenn Dein Vertrieb herausfindet, dass Du über Amazon verkaufst, kann er einfach die Belieferung einstellen.
  • Ausübung von Gruppendruck
    Der MLM Vertrieb lebt davon, dass man sich mit anderen austauscht, Ehrungen erhält, einen Status bekommt. Für viele ist diese Anerkennung die Motivation, überhaupt im Partyvertrieb tätig zu werden. Leute kennenlernen, zusammen feiern, sich motivieren etc. Wird nun bekannt, dass Du ein schwarzes Schaf bist, wird Deine Freude schnell verblassen. Möglicherweise bist Du dann Anfeindungen ausgesetzt. Jedenfalls brauchst Du Dich bei Treffen nicht mehr blicken zu lassen…

Dennoch: Wenn Dir das Unternehmen egal ist und es Dir primär darum geht, einfach Geld zu verdienen, ist Amazon vielleicht Deine Wahl. Und Helfer finden sich immer: Wenn jemand anderes unter seinem Namen die Waren bei Amazon verkauft, bleibst Du vielleicht unentdeckt und nimmst dieses Zusatzgeschäft einfach mit.

Das Risiko, eine eventuell aufgebaute Struktur zu verlieren, ist aber immer gegeben – daher überlege gut, ob Du diesen Weg einschlagen willst.

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